Man nennt Seekrankheit auch u.a. Reise- oder Bewegungskrankheit (medizinischer Fachbegriff: Kinetose / griech. kinein = bewegen). Symptome sind oft z.B. zu Beginn Müdigkeit /gähnen, Blässe, Schwindelgefühl, Kreislaufprobleme und starke Kopfschmerzen bishin schließlich zu Übelkeit und Erbrechen.
Auslöser der Seekrankheit sind in aller Regel ungewohnte (passive) Bewegungen wie zum Beispiel während einer Autoreise oder Busfahrt, auf Kreuzfahrt-Schiffen oder aber sogar auch auf Plattformen und Aussichtstürmen mit leichter, fast nicht wahrnehmbarer Schwingung. All das sind Situationen, auf die der Körper mit "Seekrankheit" reagieren kann.
Auch Karussels, Achterbahnen etc führen bei dafür empfindlichen Personen zu der Seekrankheit ähnlicher Symptomatik. Und auch große Kreuzfahrtschiffe bieten keine 100%ige Sicherheit, auch wenn man aufgrund moderner Stabilisatoren hier deutlich weniger Seegang wahrnimmt als auf kleinen Schiffen.
Vielen Fachleuten zufolge entsteht dann Reisekrankheit, wenn die Sinnesorgane (Augen, Gleichgewichtssinn/ Innenohr) widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des eigenen Körpers liefern. Dieser Konflikt im Gehirn löst dann die Symptome wie Erbrechen etc aus, wobei bis heute nicht erforscht ist, ob es sich dabei um einen "Fehler" handelt, der auf die Irritationen des Gehirns zurückzuführen ist oder der Reflex des Erbrechens, der ja eigentlich eine Schutzfunktions unseres Körpers gegen Vergiftungen darstellt, diesbezüglich sogar einen Zweck darstellt.
Aber der Körper bzw. das Gehirn ist immerhin anpassungsfähig: nach zwei bis drei Tagen lassen die Symptome bei den meisten Menschen nach.
Eine weitere Hypothese (siehe Tipps unten) begründet sich in der Annahme, dass Seekrankheit eine Histaminvergiftung des Körpers darstellt.
Allgemein wurde in Studien festgestellt, dass Kinder zwischen 3 und 12 Jahren am stärksten von Seekrankheit betroffen sind, unter 2 Jahren hingegen gibt es kaum Probleme, ebenso nimmt ab 50 Jahren die Neigung hierzu stetig ab (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Was hilft gegen Seekrankeit?
Medikamente auf schulmedizinischer & homoöphatischer Basis
Gerade bei seekranken Kindern sollte man allerdings nicht auf irgendwelche womöglich hochdosierten Medikamente in Eigenverordnung zurückgreifen, sondern sich vor der Reise beim Kinderarzt bzw. in einer Apotheke ausführlich beraten lassen.
Einige dieser Medikamente wie z.B. die zwar hochwirksamen, verschreibungspflichtigen und für Kinder ohnehin nicht geeigneten Scopoderm Pflaster (Wirkstoff Scopolamin, ein Anticholinergikum), führen nämlich nicht nur zu Müdigkeit sondern mitunter zu weiteren erheblichen Nebenwirkungen wie Sehstörunge und sogar Halluzinationen und können sogar bei einigen Personen zu kardiologischen Nebenwirkungen führen.
Aufgrund der teilweise bedenklich starken Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen verzichten wir hier bewusst auf die Nennung bestimmter Päparatenamen der stärkeren Sorte und möchten dringend darum bitten, diese verschreibungspflichtigen Medikamente nur unter ärztlicher Anweisung/Aufsicht einzunehmen.
Speziell bei Kindern haben sich laut Erfahrungsberichten Nux Vomica Globuli D6 bei vielen bereits als recht hilfreich erwiesen. Allerdings gilt insbesondere bei Kindern auch für homöopathische Arzneimttel, was für schulmedizinische Medkamente gilt: Keine Einnahme ohne vorherige Rücksprache mit dem Kinderarzt.
Neben den herkömmlichen Medikamenten (z.B. Vomex, Vomacur u.a.) gegen Seekrankheit bzw. Übelkeit und Erbrechen (Antihistaminika) wie Zäpfchen,Tabletten oder auch die verschreibungspflichtigen aber mit Vorsicht zu genießenden Scopoderm-Pflaster aus der Apotheke, gibt eine ganze Reihe von anderen (Haus-)Mittelchen aus der Kombüse:
Hilfe aus der Kombüse gegen Seekrankheit: Essen, Ingwer & Vitamin C
Einige Forscher setzen auf die Wirkung von hochdosiertem Vitamin C ( 2 Gramm ) gegen Seekrankheit. Es soll beim Abbau der Histamine helfen, die im Körper bei Seekrankheit gebildet werden. Einen Bericht hierzu erschien in der Zeit: Vitamin C
Nun kann ja der Verzehr von Vitamin C haltigem Obst grundsätzlich nicht schaden. Zitrusfrüchte enthalten viel Vitamin C ( ebenso grüne saure Äpfel ) oder man nimmt es direkt in konzentrierter Form zu sich. Einen Versuch ist es wert.
Übrigens begründen die Forscher diese These mit der Tatsache, das Schweine nicht seekrank werden, da ihr Körper selbstständig Histamine abbaut. Dass übermässig viele Histamine während einer aufgetretenen Seekrankheit freigesetzt werden, gilt inzwischen unter Fachleuten nahezu als erwiesen. So gesehen könnte man Seekrankheit wohl auch als leichte Histamin-Vergiftung bezeichnen.
Auch Ingwer soll eine gute Wirkung haben - allerdings wirkt Ingwer durchaus wehenfördernd (aber nicht unbedingt auslösend), weshalb gerade Schwangere hier vielleicht lieber etwas vorsichtig sein sollten.
Weiterhin empfehlen nicht nur Schiffsärzte gegen Seekrankheit (oder auch einfach Reisekrankheit) einen immer gut gefüllten Magen (und wenn es nur eine warme Suppe oder ein Brötchen ist - essen hilft, insbesondere Kartoffeln und Reis ) und frische Luft - also rauf an Deck und ablenken !!!
Übrigens sinkt auch im Schlaf der Histamin Spiegel - im Zweifelsfall also: rauf an Deck, einkuscheln und aufwachen, wenn der schlimmste Seegang überwunden ist
Wieder andere Kreuzfahrt- und Seereisende empfehlen gegen Seekrankheit Akkupressur Armbände gegen Seekrakheit, diese sind mitunter allerdings nicht ganz billig und es wird inzwischen auch ein ganz ordentliches Geschäft wird überteuerten Produkten betrieben. Also vergleichen bzw. beraten lassen - am besten in der Apotheke.
Tabletten gegen Seekrankheit bekommt man üblicherweise im Bedarfsfall auch an der Rezeption oder im Hospital auf dem Schiff. In schlimmeren Fällen verordnet und verabreicht der Schiffsarzt eine Infusionslösung.
Faustregel: Solange man noch nicht erbrechen musste, kann eine Tablette noch helfen, ist dieses schon passiert, hilft oft nur noch eine Infusion vom Schiffsarzt. Daher bei den ersten Anzeichen, dass man seekrank wird, sofort handeln. Je früher man reagiert, desto schneller lässt sich die Seekrankheit meist in den Griff bekommen.
Wie kommt man nach Seekrankheit und Erbrechen schnell wieder auf die Beine?
Für Kinder und Erwachsene ist es im Falle von Erbrechen insbesondere wichtig, dass der Flüssigkeitshaushalt wieder hergestellt wird, normalerweise reichen hierzu Getränke wie Apfelschorle und ähnliches aus. Besondere Elektrolytpräparate sind nur in Ausnahmefällen nötig. Für Babies und Kleinkinder jedoch empfehlen sich spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke.
Tipp: Wenn man weiss, das man zu Seekrankheit neigt, unbedingt eine Kabine in der Schiffsmitte und auf den unteren Decks buchen - hier ist der Seegang nicht so extrem spürbar wie im Bug oder Heck bzw. auf den oberen Decks.
Und dann wäre da noch eine nicht unerhebliche psychische Komponente - um es mit den Worten von Kreuzfahrtschiff-Kapitän Dr.Hoppert (AIDA) zu sagen: "Mit der Seekrankheit ist es, wie mit vielen Dingen im Leben: Man muss nur ganz fest dran glauben, dann wird das was!"
Übrigens: Je moderner und größer das Schiff auf einer Kreuzfahrt ist, desto weniger spürt man tatsächlich den Seegang. Das liegt zum einen an modernen Stabilisatoren-Systemen, aber auch schlichtweg an viel Ablenkung, die diese Schiffe bieten!